Odenwald: Nordwand-Challenge

Ich fühle mich reinholdmessnermäßig. Zugegeben, ich habe keine Ahnung, wie sich Reinhold Messner so fühlt. Aber ich fühle mich so, wie ich denke, dass sich Reinhold Messner fühlen müsste, wenn er vor einer Steilwand steht. Persönlich herausgefordert: Ey, Steilwand. Was guckst du?

Ich gucke zurück: Die Neckarriedkopf-Nordwand hinauf. Das Gipfelkreuz bildet sich sonst was ein. Ich werde ohne Sauerstoffgerät klettern und auf dem Weg wahrscheinlich blau anlaufen wie ein Schlumpf. Ich werde ohne Sicherung unterwegs sein. Kein Seil, keine Haken, nur der Fels und ich. Noch nicht mal Pflaster hatte ich eingepackt.

Dass es einen leichteren Weg zum Gipfel gibt, interessiert mich und meine drei Seilschaftskumpanen nicht. Ich weiß nicht, wie lange wir unterwegs sein werden. Einmal den Aufstieg begonnen, gibt es kein Zurück mehr. Jeder Fehltritt wäre folgenschwer.

Wahnsinn? Ja, vielleicht. Die dünne Odenwälder Höhenluft hatte uns das Hirn vernebelt. Wir sind uns einig, dass wir es wagen werden.

Die Berggötter sind uns gnädig. Das Wetter scheint zu halten. Die Bedingungen für den Aufstieg könnten nicht besser sein.

Cooler wäre natürlich, wenn der Aufstieg durch Eisfelder, Lawinen oder Steinschlag gefährdet wäre. Oder wenn einer von uns in einer Felsspalte hängen geblieben wäre und wir ihm einen Arm hätten amputieren müssen. Ein Helikoptereinsatz, ein plötzlicher Wetterumschwung oder ein Odenwald-Yeti könnten der Geschichte zusätzliche Würze verleihen. Alternativ wäre der Fund eines Neckargemünd-Ötzis dem Spannungsbogen dienlich.

Ich kann nichts dafür, dass die Neckarriedkopf-Nordwand am Neckargemünder Sinnenpfad nur drei Meter hoch ist und dass auf dieser kurzen Strecke einfach kein Ötzi zu finden war.

Wir sind alle vier nach rund zehn Sekunden oben. Ich tanze um das Gipfelkreuz herum und danke den Erfindern des Neckargemünder Sinnenpfads. Ich habe ein bisschen Höhenangst. Wäre die künstliche Felswand höher, hätte ich mich bestimmt nicht hochgetraut.

 

Odenwald (Rundtour von kruemelhuepfer.de von Neckargemünd über Waldhilsbach, und die Ruine Reichenstein zurück nach Neckargemünd):

  • Land: Deutschland
  • Anreise: Mit der S-Bahn von Mannheim nach Neckargemünd Bahnhof
  • Länge: 13,5 km
  • Gehzeit: rund 4,5 Stunden
  • Höhepunkte: Reiher in der Elsenz, Barfußpfad am Ende des Sinnenpfads, Aussicht auf Bammental, Burg Reichenstein
  • Herausforderungen: Balancierstamm auf dem Sinnenpfad

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