Rhön: Panda-Bashing

Wer braucht schon Pandas? Der Berliner Zoo hat diesen Sommer zwei Pandas entliehen. Jetzt hocken sie in der Hauptstadt auf ihrem dicken Pandapopo und träumen von Eukalyptuswäldern. Außerdem haben sie einen Blog. Sie schreiben aber die Beiträge nicht selbst.

Ich fordere euch heraus, Meng Meng und Jiao Qing! Ich hätte meinen Blog auch mit »Warum Rhönschafe cooler sind als Pandas« betiteln können. Aber das wäre albern. So albern wie chinesische Bären an der Spree.

Milseburg ohne Rhönschafe

Rhönschafe sind selten. Drei Tage musste ich die Rhön durchstreifen, um eines von Nahem zu sehen. Auf der Milseburg (835 Meter) habe ich einen 360-Grad-Panorama-Blick über die westliche Rhön, aber nirgends sind Rhönschafe.

Erst kurz vor Schackau im Mambachtal am Ende der Wanderung blöken sie auf ihrer Weide. Eines hat ein Blümchen im Maul. Ich rupfe Gras vom Wegesrand, friemele die trockenen Stengel raus und locke die Rhönschafe mit dem Rhönschaflockruf an, der da lautet: »Komm her, kleines Rhönschaf.« Es funktioniert. Das Rhönschaf schnuffelt am Grünzeugleckerli. Ich hoffe, es schnappt nicht. Nachher bekomme ich noch Scrapie oder so. Aber es verschmäht die ihm dargebotene Kost.

Die Rhönschafe gehören zu den gefährdeten Haustierrassen und wären in den 90er-Jahren fast ausgestorben. Okay, die Pandas sind noch rarer. Eins zu null für den Panda. Ich bin fair.

Terraforming: Magerwiesen dank tierischer Rasenmäher

Ohne die Rhönschafe wäre die Rhön mit Wald zugewuchert. Die Magerwiesen auf dem Weg zur Milseburg sind das Ergebnis geduldigen Rhönschafterraformings. Jahrhundertelang haben sie Rasenmäher gespielt und die Wiesennährstoffe als Rhönschafkacke ins Tal befördert. Weil die Magerwiesen so mager sind, finden sich dort zahlreiche Liebhaber einer spezialdiätetischen Ernährungsweise – etwa der Thymian-Ameisenbäuling. Der Falter bildet dort oben mit Knotenameisen so eine Art Insekten-WG.

Und was macht der Panda? – Gleichstand.

Der Panda sieht soooooooooooooooo niedlich aus. Habt ihr schon mal ein Rhönschaf gesehen? Rhönschafe sind wie ein Sahnehäubchen mit Amarenakirsche: weißes Fell und schwarzer Kopf. Ihre Ohren stehen in einem 90-Grad-Winkel vom Kopf ab. Deshalb sehen sie ein bisschen dümmlich aus. Mein Rhönschaf hat außerdem schwarze Knie. Die Analyse beweist: Auf dem Niedlichkeitsindex sind Rhönschaf und Panda mindestens ebenbürtig.

Pandas darf man nicht essen, Rhönschafe schon. Ich habe auch noch nicht gehört, dass man Pandas scheren kann. Einen Versuch wäre es wert. Nackt fände der Pandamann seine Pandafrau vielleicht attraktiver und das Thema künstliche Befruchtung wäre vom Tisch. Eindeutig: Punkt für das Rhönschaf.

Der Zoo in Berlin zahlt rund eine Million Euro Fernleihgebühr pro Jahr für seine Pandas. Rhönschafe sind kostengünstiger: Eine Herde Rhönschafe war in den 90er-Jahren für 30.000 Mark zu haben. Und die Rhön kostet im Gegensatz zum Berliner Zoo keinen Eintritt.

Damit gewinnt das Rhönschaf mit vier zu zwei. Aber im Sinne der deutsch-chinesischen Völkerverständigung gebe ich zu: Sollte ich jemals in China wandern gehen und dann einem Panda begegnen, flippe ich aus. Echt jetzt.

 

Durch das Mambachtal zur Milseburg (Tour 16 in: Jürgen Reinhardt: Rhön. Die schönsten Tal und Höhenwanderungen)

  • Land: Deutschland
  • Anreise: mit dem Auto zum Wanderparkplatz in Schackau. Gehzeit: rund vier Stunden für knapp 15 Kilometer (29. Juli 2017)
  • Höhepunkte: Milseburggipfel, Einkehr in der Milseburghütte, Magerwiesen, Rhönschafe
  • Herausforderungen: Weg finden. Die Wegezeichen wurden zwischenzeitlich geändert und stimmen nicht mit den Angaben im oben genannten Buch überein. Bereits am Ausgangspunkt der Wanderung waren wir etwas ratlos, wo genau es lang geht. Da es zwischendurch keinen Handyempfang gab, gleicht es einem kleinen Wunder, dass wir überhaupt angekommen sind. Die Wegbeschreibung des Wanderführers hilft an einigen Stellen nicht wirklich weiter oder war zu unpräzise. Anstrengend: Der Aufstieg zur Milseburg.
Das Rhönschaf hat die Wanderer fest im Blick.
Rhönschafe haben einen komplett schwarzen Kopf und weißes Fell. Sie waren schon fast ausgestorben und sind eine alte Haustierrasse.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. blaupause7 sagt:

    im Opel-Zoo im Taunus gibt’s rote Pandas – die sind viel kleiner und so viel knuffiger als ihre schwarzweißen Brüder

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    1. Jana sagt:

      Wenn ich mal dort bin, schaue ich sie mir an 😉

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