Algarve: Nacktmullkommune

Ein durchgegarter Nacktmull kreuzt meinen Weg. Der unbekleidete Herr hält frohgemut seinen Schwengel in die portugiesische Nachmittagssonne. Die Arme eingestützt, den Blick auf die See gerichtet. Nacktmull Nummer zwei flaniert über den Sand. Sie üben vielleicht für Naked Attraction auf RTL2.

Ich bin froh über die Nacktmulle. Sie sind ein Indiz, dass ich nicht in ein Hochglanzurlaubsprospekt teleportiert wurde. Darin werden Nacktmulle wegretuschiert. Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit, Herr Schwengel.

Meeresgeflüster

Nach mehreren Buchten, über die der portugiesische Tourismusverband Instagram-Filter gelegt hat, damit das Meer reiseführermäßig aussieht, schaue ich mich um, ob Patrick Swayze auf einem Surfbrett zu sehen ist. Oder Daniel Craig aus den Wellen steigt. Tun sie nicht, aber irgendwas geht an dem Strand nicht mit rechten Dingen zu. Das Meer flüstert: Erfrisch dich. Ich bin kühl, like ice in the sunshine, Baby. Vielleicht hat mir die Hitze zugesetzt.

Ihr müsst wissen: Das Bedürfnis, Gewässer mit einer Temperatur von unter 27 Grad zu betreten, tendiert bei mir gegen Null. Ich lege mich im Sommer ja auch nicht in meine mit 15 Grad kaltem Badewasser gefüllte Wanne und packe noch ein paar Eiswürfel dazu. Ich kann sehr entspannt einen Tag am Meer verbringen, ohne literweise Salzwasser geschluckt zu haben.

Wilde Kreaturen

Wenn man mal drin ist, ist es gar nicht mehr so kalt. Ein für alle mal: Doch, ist es. Außerdem gibt es im Meer wilde Tiere: Weiße Haie, Giftquallen, Seeigel. Und wie jeder weiß, wurde Jona von einem Wal verschluckt. Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn. Alles klar.

Es hilft nichts: Ich sehe mich schon von einem Strudel aufs offene Meer hinaustreiben und hilflos an der Algarve entlangplanschen. Trotzdem singt das Meer sirenenhaft weiter, und ich deklariere kurzerhand meine Unterwäsche zur Bademode um.

Wenn mal drin ist, ist es gar nicht mehr so kalt. Ein Fisch guckt mich von unten an. Er ist mindestens sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo groß. Ich halte besser Abstand. Plitsch, platsch. Hallo, Fisch. Putt, putt. Wir freunden uns an. Hast du meinen Papa gesehen?, fragt er. Ich bin dein Vater, sage ich. Der Fisch zeigt mir den Vogel. Ich beschließe zusammen mit Leonardo di Cabrio am Strand eine Kommune zu gründen. Die Nacktmulle sind bestimmt dabei.

 

Wilde Küste (eine Küstenwanderung aus: Claus-Günter Frank: Algarve – 36 Wandertouren)

  • Land: Portugal
  • Anreise: Flugzeug von Frankfurt am Main nach Faro, per Mietwagen zum Ausgangspunkt der Wanderung: Figueira (ein Dorf an der Nationalstraße N 125)
  • Länge: 13,5 km (Rundwanderweg)
  • Gehzeit: rund 5 Stunden (April 2017)
  • Höhepunkte: Rosmarin- und Thymianbüsche, barfuß am Meer entlanglaufen, Fisch im Meer, Ausblicke auf die Felsalgarve
  • Herausforderungen: Hitze (kaum Schatten auf der Tour), Weg finden (keine Markierung, Weg teils nicht gut erkennbar), Einkehr im Strandrestaurant

 

 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kleine Nacktmulattin sagt:

    Ach, ich kann mir das kurze Video gar nicht oft genug anschauen!

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    1. Jana sagt:

      Schön, dass dir das Video gefällt!

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