Grömitz: Strandpromenade

Die Dame hinter dem Tresen der Tourismusinformation wirkt verstört. Als hätten wir sie nach dem nächstgelegenen Bordell und nicht nach einer Wanderstrecke gefragt. Sie drückt uns einen Plan in die Hand und erklärt, dass wir den Strand in die eine oder die andere Richtung laufen können. Sie murmelt etwas von Steilküste. Ob die sehenswert sei, wollen wir wissen. Die Frau überlegt und schaut verzweifelt. Vielleicht ist sie in ihrem Job unterfordert und würde lieber Fragen gestellt bekommen wie „Woher kommt das Universum?“ und nicht „Was macht man am besten an einem Wintertag in Grömitz?“.

In der Bucht

In den Sommermonaten puhlen die Touristen in dem Ostseebad geduldig die Sandkörner aus ihren Ohrmuscheln und schlucken beim Schwimmen ein bisschen Salzwasser. Auf dem Rasen ihrer Ferienwohnungen grillen sie Steaks oder einen Dorsch, die Meerbrise verweht den Rauch, und hin und wieder pinkelt ein Hund gegen einen Strandkorb.

Grömitz liegt in der Lübecker Bucht. In dem alten Seebad – weißer Sand, Dünen, weit draußen ein paar Containerschiffe – sind laut Wikipedia »außer der Kirche aus dem 12. Jahrhundert keine historisch bedeutsamen Stätten, die noch sichtbar erkennbar sind« zu finden. Berge gibt’s auch keine – kein Wunder, dass sich die Dame von der Tourismusinformation mit unserer Anfrage schwertut.

Flanieren lernen

Es ist Winter. Der Sand ist feucht. Die Strandkörbe geschlossen. Was also tun zwischen Yachthafen und Fischbuden?

Da laufen viele hin, sagt die Dame lakonisch und wedelt mit der Hand in Richtung Steilküste. Meine Freunde und ich brechen auf, inhalieren Algenmoderduft, schauen ein paar Schwänen zu, wie sie auf den Wellen wackeln und klauben Muschen auf. Wir lernen schnell, warum Wanderrouten an der Ostsee rar gesät sind: Dort wird flaniert, nicht gewandert.

Flanieren geht so: Man begibt sich dorthin, wo alle anderen sind, vorzugsweise an die Strandpromenade. Professionelle Flanierer führen ein bellendes Sitzkissen an der Leine, alternativ einen Windhund. Wer weder noch vorweisen kann, behilft sich mit Stockschirm oder Kleinkind. Einen Rucksack mit Stullen haben die Flanierer nicht dabei. Stattdessen nippen sie an einer Bude an einem Prosecco und zernagen ein Garnelenbrötchen, vom dem Remouladensauce auf ihre Regenjacke tropft. Wir passen uns an und verzehren Fischbrötchen.

Man schreitet an Ferienwohnungen, ein paar Arztvillen und alternden Grand oder Kurhotels vorbei. Sobald der befestigte Weg endet, kehrt man um oder ein. Tief einatmen. Ist schließlich ein Heilbad. Sehnsüchtig aufs Meer schauen nicht vergessen.

»Ist die Steilküste sehenswert?«, fragt ihr jetzt.

»Da laufen viele hin«, antworte ich.

Grömitz: Spaziergang zur Steilküste in Grömitz

  • Land: Deutschland (Ostsee)
  • Anreise: Wir sind mit dem Auto nach Grömitz gefahren. Von Hamburg aus ist Grömitz mit dem Flixbus zu erreichen.
  • Gehzeit: ca. 1,5 Stunden für knapp 6 Kilometer (4. Januar 2018)
  • Höhepunkte: Yachthafen Grömitz, Strandpromenade, Schwäne auf dem Meer, kleines Bächlein
  • Herausforderungen: keine besonderen, der Weg war stellenweise sehr matschig

 

 

 

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. War es denn ganz so gruselig, dass ihr noch nicht einmal Fotos gemacht habt? 🙂

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    1. Jana sagt:

      Wird dir das Beitragsbild angezeigt? Darauf ist (verschwommen im Hintergrund) die Steilküste zu sehen. Hier findest du auch ein paar Bilder: https://www.komoot.de/tour/8136350
      Wirklich gruselig war es nicht, aber irgendwie auch nicht soooo spektakulär 🙂

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  2. Ich hätte ohne deine Beiträge eindeutig weniger zu lachen. Dummerweise lese ich sie für gewöhnlich in unpassenden Situationen. Heute also mal schön in die Chorprobe reingelacht

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