Japanische Alpen: Antiantilopenschild

Ja, klar, Antilopen. Hier wimmelt es bestimmt von Antilopen. Sind von Afrika nach Japan geschwommen. Nach Fukushima sind sie mutiert und spritzen jetzt Ameisensäure aus ihren Nasenlöchern. So muss es sein. Oder warum warnt das Schild sonst vor Antilopen?

Auf dem Schild steht auch was von einem Fluss und großen Tieren und von Bären, sagt mein Freund. Und schwierig soll der Weg irgendwie sein oder so. Er starrt ungläubig auf sein Smartphone. Ich bin mir sicher: Google Translate übersetzt irgendeinen Scheiß.

Im Wald bei Hakuba

Wir beide stehen im Wald in der Nähe von Hakuba, einem Skiort in den japanischen Nordalpen, und betrachten ein Schild mit für uns nicht entzifferbaren Schriftzeichen. Das mit den Bären könnte stimmen, sagt mein Freund.

Tatsächlich gibt es um Hakuba Schwarzbären. Und im Frühjahr sind sie hungrig.

Wir sind rund zweieinhalb Stunden den Mount Iwatake hochmarschiert, auf der einen Seite die eisigen Gipfel der japanischen Alpen, auf der anderen Mountainbiker, die sich die längst schneefreien Pisten ins Tal hinunterstürzen. Die Wiesen sind noch braun, die Bäume kahl. Erste Schmetterlinge flattern rastlos über die Hänge. Ein paar Blümchen ducken sich ins Laub. Es ist Frühling in den japanischen Alpen.

Der Schuh steckt im Schneematsch

Die Dame in der Information hatte behauptet, es gäbe nur noch wenig Schnee da oben auf ca. 1.300 Metern. Das stimmt, aber es reicht, dass mein Schuh rund eine halbe Stunde vor dem Antiantilopenschild in einem vermatschten Schneefeld steckenbleibt. Während die braune Brühe in meinen Schuh läuft, hoppele ich auf einem Bein hilflos umher. Um den Schuh aus seiner misslichen Lage zu befreien, bleibt mir nichts übrig, als mit dem Socken über den Schneematsch zu humpeln. Die Socke wird nass, ich kriege Fußfrost.

Der Weg zurück würde noch mal durch das Schneefeld führen. Dann lieber die Bären, denke ich. Außerdem ist es doch dumm, das Schild mitten auf dem Wanderweg aufzustellen. Als ob der Bär am Schild halt machen würde. Es geht nämlich nur vorwärts oder rückwärts, eine alternative Route gibt es an dieser Stelle nicht.

Damit die Bären uns nicht zu nahe kommen, singe ich. Angeblich hilft das, um Bären auf Abstand zu halten. Eine Bärenglocke, wie sie viele Japaner tragen, haben wir nicht dabei.

Ich schmettere: Ein Männlein steht im Walde… Fuchs, du hast die Gans gestohlen … Die Gedanken sind frei… Heute hier, morgen dort… Ein Hund ging in die Küche …

Mein Singsang hilft: Kein Bär in Sicht. Nur ein paar Vögel zwitschern mit mir. Der Fluss entpuppt sich als fröhliches Bächlein mit Brücke. Der Abstieg als steil, aber nicht absturzgefährdend.

Begegnung im Mountain Museum

Und die Antilope? Die gibt es tatsächlich. Am nächsten Tag bin ich im Mountain Museum in Shinano Omachi und stehe einem ausgestopften Exemplar gegenüber: braune Augen, lange Haare, wuchtig-kompakt. Ein sympathisches Kerlchen. Pflanzenfresser. Und japanisches Naturdenkmal. Der korrekte Name: Japanischer Serau (Capricornis crispus).

Ein paar Tage später treffe ich in Takayama in einer einsamen Tempelanlage am Waldrand sogar auf einen lebendigen Vertreter dieser Spezies. Aber das ist eine andere Wandergeschichte.

Japanische Alpen (Hakuba): Mount Iwatake (Iwatake und Shinano Nature Trail, zurück über Kirikubo-suwa-jinja-Schrein)

Land: Japan

Anreise: Hakuba ist mit dem Zug oder per Auto erreichbar. Die Wanderung beginnt am Iwatake-Skigondellift. Von Hakuba aus sind es ca. dreißig Minuten mit dem Fahrrad, es gibt aber auch eine Buslinie, die zum Skilift fährt.

Gehzeit: ca. fünf Stunden

Herausforderungen: Es ist ein wenig schwierig, den Eingang zur Wanderstrecke zu finden. Er liegt ein Stück links von der Mountainbike-Strecke. An- und vor allem Abstieg sind sehr steil. Beim Abstieg gibt es an einigen Stellen Seile zum Festhalten. Es gab noch jede Menge kleiner rutschiger Schneefelder.

Die Beschilderung ist fast ausschließlich auf Japanisch und eher sporadisch. Wanderkarte und/oder GPS sind empfehlenswert. Ihr bekommt Karten gratis an der Touristinformation in Hakuba.

Höhepunkte: Aussicht auf die japanischen Alpen, Jause am Rastplatz nahe des Gipfels (1.289m) am Mount Iwatake, blühender Asian Skunk Cabbage (asiatischer Stinkkohl)

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