Pfalz: Landschaftsmalerei

»Max Slevogt … Nie gehört«, murmele ich. »Kennst du den?«

»Klar, deutscher Impressionist«, sagt mein Freund und enttarnt mich als Kunstbanausen. Mehr weiß er dann aber auch nicht über Herrn Slevogt.

Meine Unkenntnis des deutschen Impressionismus und meine Wanderleidenschaft hängen zusammen. Wanderwege führen selten durch Museen, und die meisten Gespräche mit Mitwanderern, denen ich begegne, laufen nach folgendem Schema ab:  Begrüßung, Austausch über Wetter und Wegbeschaffenheit, gegebenenfalls noch ein paar Worte zu Herkunft und Ziel, Verabschiedung. Nach meinem liebsten Renaissance-Künstler hat mich noch keiner gefragt. Kunstaustellungen sind in der Wildniswelt eher kein Thema.

Die Nachhilfestunde beginnt in Leinsweiler

Zwei Tage später, auf dem Slevogt-Weg bei Leinsweiler in der Pfalz, schließe ich die Bildungslücke. Max Slevogt war ein Freilichtmaler und hat sich gerne in der Pfalz herumgetrieben, bewaffnet mit Pinsel und Leinwand. Ich bin schon auf den Spuren Hermann Hesses durch den Schwarzwald gewandelt, aber ein Maler als Wegpate ist neu. In der Pfalz gibt es – gratis – eine Nachhilfestunde in Kunstgeschichte.

Die Wegmarkierungen zeigen Slevogts Konterfei: Er trägt einen Zwicker, einen braunen Bart und einen Kopf auf dem Hut. Er schaut mich skeptisch an, die Augenbrauen leicht nach oben gezogen, die dunklen Augen aufmerksam geöffnet. Wahrscheinlich ist er ein bisschen sauer, weil ich ihn ignoriert habe. Keinen Gedanken hatte ich bislang an Herrn Slevogt verschwendet.

Max Slevogt hatte in der Pfalz einiges zu malen: strammstehende Weinstöcke, rote Burgruinen, Baumwipfel. Hat er dann auch gemacht. Mit dicken Pinselstrichen und viel Lichtspiel. Ich sehe, was Slevogt sah. Die Pfalz ist vor vielen Jahren in sein Hirn gefahren, ist zwischen seinen Neuronen hin und hergesprungen. Was rausgekommen ist, hat er als Pfalz-Kondensat auf Leinwand konserviert wie Herbstfrüchte in einem Einmachglas. In Ägypten war Slevogt auch, aber die Pfalz muss ihm besser gefallen haben. Er hatte seinen Sommersitz auf dem Slevogthof oberhalb von Leinsweiler.

Vom Wettereck zum Trifels

Am Aussichtspunkt Wettereck hat er gestanden – wie ich – und auf den Trifels gestarrt, auf dem eine Burg thront, so wie man sich das im Märchen vorstellt: ein steiler Berg, ganz oben auf der Spitze schaut Dornröschen aus dem Fenster.

Auf der Infotafel am Wettereck ist das Slevogt-Pendant abgebildet: der Trifels im Frühling getaucht in Abendlicht. Mein Blick wechselt zwischen dem Original und dem Gemälde hin und her: Originalpfalz trifft Slevogtpfalz. Die Slevogt-Pfalz hat mehr Glanz, strahlt in der Dämmerung wie frisch geröstete Haselnüsse, nur bedroht von der heranziehenden Nacht. Die Bäume sind blätterlos. Das Original schwimmt im Dunst des heißen Sommers 2018, die Baumdecke ein waberndes Fell surrend wie ein Schwarm Bienen.

Slevogts Trifels ist weiter weg, entrückter, leuchtet, eine Kulisse für einen wunderbaren Traum, der sich langsam immer weiter entfernt: ein Bild, in einem Kopf, auf eine Leinwand, auf eine Infotafel, in meinen Kopf, in einen Blog, in deinen Kopf. Slevogt hat’s weit gebracht, würde ich sagen. Er darf zufrieden sein.

 

Auf den Spuren von Max Slevogt bei Leinsweiler

  • Land: Deutschland (Pfalz)
  • Anreise: Leinsweiler ist mit dem Bus von Landau aus erreichbar.
  • Gehzeit: rund drei Stunden für 9,3 Kilometer (13. Juli 2018)
  • Höhepunkte: Ziegen am Weinberg hinter Leinsweiler, Aussichtspunkt Wettereck, Infotafeln zu Max Slevogt, Start zweier Gleitschirmflieger
  • Herausforderungen: Ein paar kurze steilere Anstiege, ansonsten keine. Der Weg ist recht gut markiert, wenn auch das gewählte Wegezeichen (ein Porträt von Max Slevogt) sich nicht gut von der Umgebung abhebt.

 

Mehr Lesestoff

  • Die Pfalz hat noch mehr zu bieten: einen Drachenfelsen oder Saumagen-Burger zum Beispiel.
  • Fast schon eine Liebeserklärung an die Pfalz: In seinem Merian-Artikel schreibt Peter Mayer über »schwingende Erdwellen« und »Apfelbäume, aus denen der milde Wind weißrosa Blütenkonfetti schüttelt«.

 

Infotafel zum Trifels auf dem Slevogtweg
Einmal Original, einmal das Bildnis: Max Slevogt hat den Trifels samt Burg gemalt.

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hab den Namen schon mal gehört, hätte aber auch nicht sagen können, in welcher Kunstrichtung er sich getummelt hat 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. lecw sagt:

    Hallo Jana,
    schöner Beitrag, wie immer! 🙂
    Aber eins verstehe ich nicht: Ich dachte, ihr seid in Australien? Oder schon zurück? Ich stell mir das gerade so vor: Ihr sitzt in einer Mäusehütte auf dem Bibbulmun und träumt vom Saumagen-Burger! 🙂

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s