Die Hütten auf dem Bibbulmun haben nur drei Wände, was dazu führt, dass nicht nur Menschen aller Art, vorzugsweise Wanderer, Zutritt haben, sondern auch sämtliches Getier, das im australischen Busch hoppelt und kreucht.
Kakerlake am Morgen
Erst vorgestern haben wir am Morgen eine Kakerlake in der Hülle unseres Campingkochers entdeckt. Ich bin überzeugt, dass uns jede Nacht Spinnen besuchen und nach dem Rechten sehen. Seit zwei Wochen, in denen ich auf dem Trail unterwegs bin, hoffe ich, dass ein Possum vorbeischaut, ein niedliches australisches Beuteltier. Wenn es in der Dunkelheit leise trappelt, lausche ich aus den Daunen meines Schlafsacks heraus, die Stirnlampe griffbereit, um das Possum willkommen zu heißen. Es ist ihm vielleicht zu kalt. Die Temperaturen fallen in manchen Nächten unter Null, und Possums haben keine Daunenschlafsäcke.
Besuch in der Dunkelheit
Von zwei nächtlichen Besuchern will ich euch heute berichten, einer mysteriös, der andere hungrig und einäugig.
Es wird früh dunkel, um sechs Uhr abends geht die Sonne unter. Mein Freund und ich liegen spätestens gegen sieben in unseren Schlafsäcken und lesen. Wir schlafen tief, als uns Getrampel und Gekeuche weckt. Ein Mann taucht aus der Dunkelheit auf. Es ist halb drei. Er richtet sich sein Lager und legt sich sofort schlafen. Am nächsten Morgen inspiziere ich ihn. Kein Rucksack, keine Tasche. Nur zwei Isomatten, ein, Schlafsack, eine Stirnlampe. Keinerlei weiteres Gepäck. Vor seinen Matten stehen Trekkingsandalen. Wir flüstern, um den Schläfer nicht zu wecken. Woher kommt er mitten in der Nacht im australischen Busch? Es könnte sich um den Mann handeln, der angeblich auf dem Trail lebt, Tag ein Tag aus den Bibbulmun entlang wandert, an dem er laut Erzählungen anderer Wanderer Marihuanaplantagen angelegt hat, von deren Ertrag er sein Leben auf Wanderschaft finanziert. Vielleicht ist er auf der Flucht? Oder von seiner Frau nach heftigem Streit aus dem Zelt geworfen worden? Oder er war nachts den Possums auf der Spur, hat sich verirrt und ist stundenlang im Wald umhergeirrt, um halb erfroren irgendwann die Hütte zu erreichen?
Als wir am Morgen aufbrechen, schnarcht er noch. Wir können ihn nicht fragen, wie es dazu kam, dass er mitten in der Nacht auf dem Mount Cooke auftaucht.
Eine Nacht zuvor stupst mich mein Freund. Schschsch, macht er. Ich lausche. Es trippelt. Eine Maus, sagt er.
Ein Possum, hoffe ich.
Ich schalte die Stirnlampe ein. Da rennt das Tier: langer Schwanz, spitze Schnauze, kleine Öhrchen, ein schwarzes Knopfauge, das andere Auge fehlt. Ein blutiges verkniffenes Loch, das dem Nager einen bösartigen Anstrich verleiht. Es huscht direkt auf die Rucksäcke zu, in denen Nagetierleckereien wie Käse und Nüsse lagern, und verschwindet kopfüber in den Tiefen der Tasche. Ich zwinge meinen Freund, die Maus aus dem Rucksack zu scheuchen. Er rüttelt und die Maus macht sich aus dem Staub. Wir verstauen alle Nahrungsmittel maussicher, hängen die Tüten an Haken an die Hüttenbalken.
Ob es sich indes tatsächlich um eine Maus gehandelt hat, können wir nicht nachweisen. Aber die Indizien sprechen dafür: Der Parmesan ist angeknabbert, die Nusstüte hat ein Loch.
Ich gebe die Hoffnung auf ein Possum nicht auf. Sie sind irgendwo da draußen.
Bibbulmun: Kalamunda bis Dwellingup
Land: Australien
Anreise: Mit dem Flugzeug nach Perth, von dort mit dem Bus nach Kalamunda.
Gehzeit: 13 Tage für 211 Kilometer 9. bis 21. August 2018)
Höhepunkte: Kängurus und Wallabys, Aussicht vom Mount Cooke, Grastrees, einäugige Maus, Papageien
Herausforderungen: Auf der gesamten Strecke gibt es keine Einkaufsmöglichkeit, entsprechend haben unsere Rucksäcke gefühlt Tonnen gewogen. Das Gewicht macht die Anstiege, die eigentlich nicht der Rede wert sind, beschwerlich. Der Abstieg vom Mount Cooke war heikel, da er über nackten Fels führt, der vom Regen glitschig und rutschig war.
Liebe Jana,
es macht echt Freude, Deine Texte zu lesen!!!
Hoffe, dass Du doch noch ein Possum triffst und die Mäuse Eure Vorräte verschonen:)
Liebe Grüße an Peter und ich freu mich auf die nächsten Berichte
Katharina
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Grüße an Peter sind ausgerichtet. Wir haben schon sooooo viel erlebt, die nächsten Berichte folgen.
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Hallo Jana,
hat sich den dein Freund, nennen wir ihn Peter, wie prophezeit, sich seiner facialen Behaarung entledigt ?
Nicht dass Du im Dämmerlicht einem 1,80 m großem Oppossum nachjagst…. 😁
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Nein, keine Enthaarungszeremonien bislang. Er sieht einem Possum aber noch nicht ähnlich, aber wir riechen mittlerweile bestimmt wie eins.
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Und,
auch wenn Du ein Mädel bist,
let´s talk about tech and gadgets !
Wie schaffst Du es, im australischen Busch, Worte in den digitalen Äther zu senden ?
Bekommt ihr den Strom aus Biovergasung von Känguru-Knödel oder nutzt ihr noch den alten Didgeridoo-Reflux-Wellen-Transformator ?
Grüsse.
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Wir haben natürlich ein Possum versklavt, das in einem kleinen Rad für uns rennen muss, um Strom zu erzeugen. Das Internet erreichen wir durch Rauchzeichen, die per Satellit von der NASA eingescannt und dann ins Netz eingespeist werden.
Oder die langweilige Variante: In den Orten gibt es WLAN, und wir haben eine australische Prepaid-Karte. Liebe Grüße aus Collie!
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Liebe Jana,
vielen Dank für Deine tollen Berichte aus Down Under! Deine Zuneigung gegenüber Possums musst Du in Neuseeland aber gut verstecken, die Variante mit der Stromerzeugung könnte dort aber gut ankommen 😋.
Grüße
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Ja, habe schon gehört, dass die Possums in Neuseeland nicht so beliebt sind.
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