4 Tipps zur Tourenvorbereitung
Ein Beitrag von Luisa Sluga
„Was brauche ich alles?“
Diese Frage stelle ich mir jedes Mal aufs Neue, wenn ich eine mehrtägige Wanderung plane und draußen übernachten möchte. Nach einigen Erfahrungen mit Touren dieser Art – von ein paar Tagen bis hin zu mehreren Wochen, von der Schwäbischen Alb bis in den Balkan, von 36 Grad bis zu Minusgraden und Schneesturm – bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es keine Packliste gibt, die zu jeder Tour passt.
Sicher, es gibt eine gewisse Grundausrüstung, wie etwa Isomatte, Schlafsack, Zelt oder Tarp, Kocher, Stirnlampe usw., die man immer benötigt und für die man sich gut eine Packliste anlegen kann, schlicht und einfach, um nichts Wichtiges zu vergessen.
Gewicht des Rucksacks für Wandertouren optimieren
Was aber entscheidend dafür ist, ob der Rucksack für eine Trekkingtour am Ende 14 oder 22 Kilogramm wiegt, ist meiner Erfahrung nach weniger die Grundausrüstung, sondern viel mehr das, was man sonst noch so einpackt, „nur für den Fall“ oder „um sicher zu gehen“.
Was man für eine mehrtägige Trekkingtour braucht, und was nicht, ist also von Tour zu Tour unterschiedlich. Es lohnt sich deshalb, sich vorab beim Packen ein paar Fragen zu stellen:
1. Welche Temperaturen sind bei Tag und bei Nacht zu erwarten, ggf. welche Unterschiede zwischen Berg und Tal?
Sommer ist nicht gleich Sommer, und die regionalen Wetterunterschiede auch innerhalb Deutschlands sind nicht zu unterschätzen. Schon in Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald oder dem Bayerischen Wald gibt es merkliche Temperaturunterschiede, je nachdem, ob man sich im Tal befindet oder auf der Höhe. Ich habe bei Touren auf über 800 Metern deshalb selbst im Hochsommer immer einen dickeren Pulli oder eine Fleecejacke für abends dabei, da es oft unerwartet kühl wird und ein frischer Wind aufziehen kann.
Es lohnt sich deshalb, vorab nicht nur die Wettervorhersagen für Orte an der Strecke zu prüfen, da diese meist im Tal liegen, sondern auch gezielt nach höhergelegenen Punkten zu suchen wie zum Beispiel Skiliftstationen oder Funkturmanlagen.
Bei Touren im Herbst oder Winter ist für mich die Wärmflasche ein unverzichtbarer Begleiter geworden. Gut dafür geeignet sind BPA-freie Flaschen aus Hartplastik, in die man heißes Wasser füllen kann, ohne dass sich giftige Weichmacher lösen, wie es bei klassischen Plastikflaschen aus dem Supermarkt der Fall ist. So hat man nachts eine herrliche Heizung im Schlafsack und am nächsten Morgen lauwarmes Wasser zum Trinken, was bei Minusgraden angenehm ist.
Wettervorhersagen vor der Wandertour prüfen
2. Wie stabil oder wechselhaft ist das Wetter?
Hier geht es nun vor allem das Thema Regen. Mein Poncho wiegt 400 Gramm. Wenn ich ihn auf einer zehntägigen Tour durch Kroatien mit mir herumtrage, ohne ihn auch nur einmal zu benutzen, nervt mich das „unnötige“ Gewicht. Wenn es dann aber doch mal einen Tag durchregnet, bin ich ausgesprochen dankbar für meine zusätzliche Plastikhülle, die mir ermöglicht, stundenlang im Regen zu laufen, ohne völlig durchnässt zu werden.
Grundsätzlich gilt: Je länger die Tour, desto höher die Wahrscheinlichkeit auf einen Wetterumschwung, und desto unverlässlicher die Wettervorhersagen. Bei einer siebentägigen Tour würde ich mich deshalb immer auch auf Regen einstellen. Wenn ich dagegen eine Wochenendtour plane und der Wetterbericht am Freitag zehn Sonnenstunden und null Prozent Regenwahrscheinlichkeit voraussagt, gehe ich gerne auch mal auf volles Risiko und lasse die Regenausrüstung (und manchmal sogar das Tarp) gänzlich zuhause – das ist natürlich Geschmacksache, denn sollte es dann doch anders kommen, kann es sehr ungemütlich werden. Hier kommt es auch darauf an, wo ihr wandert: Seid ihr fernab der Zivilisation und müsstet dort völlig durchnässt zurechtkommen? Oder ist das nächste Dort immer nur ein paar Kilometer entfernt? Dann heißt es zur Not eben: Nass dorthin laufen und dann irgendwo ein trockenes Plätzchen suchen.
3. Wie viel Essen benötige ich?
Bei meinen ersten Touren habe ich oft die Hälfte meiner Verpflegung wieder mit nach Hause genommen, schlicht und einfach, weil mir die Erfahrung gefehlt hat, wie viel mein Körper auf einer Wandertour benötigt. Die Sache mit dem Essen ist sehr individuell, denn jeder hat seine eigenen Vorlieben und Bedürfnisse. Mir persönlich ist wichtig, dass die Mahlzeiten leicht (gemeint ist das Gewicht, nicht die Kalorienanzahl!) und mit wenig Wasser zuzubereiten sind – denn das muss man ja auch tragen.
Hier ein paar Beispiele für Lebensmittel, die sich für mich auf mehrtägigen Touren bewährt haben. Die Grammzahl ist von eurem Appetit und eurem individuellen Kalorienbedarf abhängig:
- Frühstück: 70 Gramm Haferflocken, dazu zum Beispiel Nüsse, Trockenobst oder einfach Zimt und Zucker (meine Lieblingskombis sind Dattel und Erdnuss oder Bananenchips und Kakaonibs!)
- Mittagessen: diverse Snacks, zum Beispiel Trockenobst, Nüsse, Kekse, Pumpernickel (ist geschmacklich nicht mein Favorit, hat für mich damit den Vorteil, dass ich nicht mehr davon esse, als wirklich notwendig), ggf. mit Aufstrich oder im Winter gerne auch mal ein warmes Tütensüppchen
- Abendessen: 70 Gramm Couscous, dazu zum Beispiel getrocknete Tomaten, Röstzwiebeln, Nüsse oder Saaten… der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Jana mag gerne Suppennudeln, die schnell gar sind, und dazu eine Fertigtomatensauce aus der Tüte.
Als kleinen Energiekick für zwischendurch habe ich fast immer Schokolade und/oder etwas abgefüllte Erdnussbutter dabei.
Tatsächlich habe ich großen Spaß daran gefunden, mein Essen schon vorab zuhause mit einer Küchenwaage zu rationieren und in Zip-Beutel abzupacken – zumindest für die ersten Tage. Das hat den Vorteil, dass man mit den Zutaten etwas variieren und sich unterschiedliche Gerichte zusammenstellen kann.
Unnötigen Luxus vor der Wanderung aussortieren
4. Alles nochmal durchgehen – worauf kann ich verzichten?
Das Geheimnis des Packens liegt meiner Meinung nach darin, für sich selbst den unnötigen Luxus zu identifizieren, und den definiert jede(r) anders. So habe ich zum Beispiel nach 14 Tagen auf dem E8 in der Slowakei gelernt, dass ich doch lieber meinen faltbaren Filter und richtigen Kaffee mitnehme, statt löslichen Kaffee zu trinken. Im Gegensatz dazu gibt es natürlich haufenweise Dinge, die ich früher oft eingepackt habe, und die sich für mich als unnötig erwiesen haben. Hier die Top drei:
- Das dritte Set Kleidung: Für den Fall, dass ich mal einen Ruhetag einlege und in zivilisiertem Outfit durch eine Stadt laufen möchte. Ist schlicht und einfach nie passiert.
- Verschiedene Gewürze: Damit das Essen etwas abwechslungsreicher wird. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es auch auf längeren Touren keinen großen Unterschied gemacht hat, ob der Couscous mit Garam Masala gewürzt ist, mit Curry oder mit italienischen Kräutern – es ist eben Couscous.
- Mehr als eine „Sache“ zur Beschäftigung: Buch, Tagebuch, Buntstifte, Kohlestifte, Kreuzworträtsel … für abends, damit es nicht langweilig wird. Geblieben sind das Tagebuch und ein Stift, da ich auf Touren wirklich gerne schreibe und meine Route skizziere. Ansonsten bin ich erfahrungsgemäß voll und ganz damit beschäftigt, einfach nur draußen und in der Natur zu sein. Jana schwört auf ihren eBook-Reader.
Gerade am Anfang ist man oft unsicher und packt tendenziell eher zu viel ein, um auf alles vorbereitet zu sein. Manchmal hilft es deshalb, sich die Umkehrfrage zu stellen:
Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich diesen Gegenstand nicht mitnehme?
Wenn ihr dennoch unsicher seid, haben wir für unsere mehrtägige Trekkingtour im Sommer auf der Schwäbischen Alb eine Packliste für euch zusammengestellt, die als Orientierung dienen kann. Und falls ihr mal wissen wollt, was ihr auf keinen Fall einpacken solltet, dann schaut mal bei Janas Beitrag zur „Nichtpackliste“ vorbei.


