Pfalz: Vorzeitiger Erguss

Seit der Zusage piesackt mich ein moralisches Dilemma. So ein höllenschlundtiefes auswegloses à la: Ich schubse den dicken Mann vor den Zug und stoppe das rasende Gefährt. Oder der Zug rammt eine Horde gebrechlicher Rentner und macht Hackfleisch draus.

Supi, dachte ich, als mir die Mail mit dem Betreff »DU BIST DABEI – Bloggerwandern Rheinland-Pfalz 2017: Wir freuen uns!« entgegenblinkte. Mit anderen Wanderbloggern werde ich drei Tage durch die Pfalz stapfen, am Lagerfeuer Geschichten von Bären, Drachen und Feuersalamandern erzählen und meine zerschundenen Füße pflegen.

Pfälzische Verdammnis

Ich noch ganz verzückt, da zertrampelt – oh, oh – ein Gedanke meinen Freudentaumel. »Meine Reise in die Pfalz folgte auf Einladung der Rheinland-Pfalz Tourismus und Pfalz Touristik. Meine persönliche Meinung bleibt davon unbeeinflusst.« Nach der Tour muss ich das hierhin hinschreiben. Unter den Blog. Drei Mal pfälzisch verdammt! Wie soll das gehen?

Ich bin monströs beeinflusst. Die laden mich ein, in Herrgottsnamen.

Ich winde mich für etwa sieben Sekunden auf dem Fußboden und reiße mir ein paar Haare aus. Eine Tragödie. Ich bin am Ende.

Aber nicht lange. Ich schlage dem Schicksal ein Schnippchen – mit List und Tücke weise ich die Parzen in ihre Schranken, indem ich jetzt über das Bloggerwanderwochenende schreibe. Sofort. Hat noch nicht stattgefunden, also bin ich nicht beeinflusst. Hah, du Dilemma. Das hast du nun davon: Ich komme dir zuvor.

Am besten verfasse ich einen ordentlichen Verriss. Sonst schreibe ich wahrscheinlich eher nette Sachen. Dann ist es ausgeglichen.

Also, die Pfalz: Da versperren Bäume ständig die Aussicht. Die Weinberge – alles Monokultur. Und vom Schoppen bis zur Spritze Heroin ist es nur ein kurzer Weg.

Mittelgebirge? Pah – hat wohl nicht für ein paar ordentliche Berge gereicht? Nicht mal 700 Meter schafft der Donnersberg. Pfälzer Höhenweg? Dass ich nicht lache. Achttausender? Fehlanzeige. Nur Popelberge mit ollen Gemäuern drauf, die grundsaniert gehören. Jawoll!

Worscht und Woi? Wahnsinn …

Außerdem werfe ich den Pfälzern arglistige Täuschung vor: Beim Bad Dürkheimer Wurstmarkt geht es nicht um Wurst, sondern schon wieder um Wein, zu dem sie dann angeblich aber doch wieder Wurst servieren: Worscht un Woi. Bitte?! Dann kochen sie auch noch gut und verbreiten so Seuchen wie Diabetes und Bluthochdruck. Von grammatikalischen Fragwürdigkeiten wollen wir gar nicht reden. Dem Wannerer soi Blogg = des Wanderers Blog.

Was soll das eigentlich überhaupt mit der ganzen Wandererei? Das ist unproduktiv. Da kommt nix bei rum. Denkt denn niemand mehr ans Bruttosozialprodukt? Wo ist der Value Add? Wenn die Wanderer mal ihre Zeit für was Sinnvolles einsetzen würden: Auto waschen oder Garage aufräumen. Die ganze Wanderbloggercommunity ist nutzloses Pack. Wanderwohlstandswahnsinn. Alla hopp. Ich freu mich drauf.

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Was ist das denn? Das geht ja gar nicht. Ich wollte unter Deinem Artikel »Vorzeitiger Erguss« kommentieren, weil’s ja auch mich betrifft. Und jetzt sowas. Einfach so im digitalen Nirgendwo. So wird das nix mit uns beiden. Kein Respekt, keine Rücksichten. Und sowas nennt sich Wanderblog. Ach was soll’s!? Ich wiederhole mich: Ich freu mich drauf, Dich kennenzulernen! Und ich freu mich auf das gemeinsame Bloggerwandern RLP.

    Liebe Grüße

    Joachim

    Gefällt 1 Person

    1. Jana sagt:

      Ja, so bin ich total respektlos. Ich freue mich auch schon. Der Countdown läuft!

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